St. Martin Stotzheim

St. Martin Stotzheim (c) W. Jacobs

Aus der Orts- und Pfarrgeschichte

Stotzheim wird erstmals urkundlich erwähnt in einer Schenkungsurkunde aus dem Jahre 1242, in der Elisabeth, die Witwe des Walram von Monschau, dem Kloster Schweinheim für das Seelenheil ihres Gatten ein Grundstück in Stotzheim zum Bau einer Mühle schenkte. Insbesondere der Ortsname mit der Endung „heim“ lässt jedoch eine viel frühere Entstehung des Ortes, wahrscheinlich im 6. oder 7. Jahrhundert, vermuten.

Bereits zu Anfang des 14. Jahrhunderts war Stotzheim Pfarrei, denn als solche ist es im „Liber Valoris“, einem Steuerverzeichnis aus dem Jahre 1316, aufgeführt. Der erste urkundlich nachweisbare Pfarrer von Stotzheim ist Konrad von Heimbach, der im Urkundenbuch des Stiftes St. Georg in Köln mit der Jahreszahl 1502 aufgeführt ist. Nach ihm hat die Von-Heimbach-Straße ihren Namen.

Der Vorgängerbau der heutigen Kirche wurde Anfang des 16. Jahrhunderts errichtet und 1512 geweiht. Diese Kirche hatte ihren Platz etwa dort, wo heute das Pfarrjugendheim steht. Schon zu Anfang des 18. Jahrhunderts wird berichtet, dass diese Kirche in einem schlechten baulichen Zustand und für die über 400 Pfarrangehörigen viel zu klein war. Zu dem gewünschten Neubau ist es damals allerdings nicht gekommen; man scheint Mitte des 18. Jahrhunderts die notwendigsten Instandsetzungsarbeiten durchgeführt zu haben.

Mitte des 19. Jahrhunderts entschied sich die Gemeinde für den Neubau einer Kirche, nachdem sich die Pläne, das Kirchenschiff der alten Kirche abzureißen und neuzubauen, den Turm aber zu erhalten, als nicht durchführbar erwiesen hatten.

 

Baugeschichte der Pfarrkirche

Entscheidend vorangetrieben und durchgeführt wurde der Kirchenneubau unter Pfarrer Wilhelm Ludwig Ohligschläger (1810 – 1890, Pfarrer in Stotzheim von 1857 bis 1889). Zum Gedenken an ihn wurde der Platz vor der Kirche „Ohligschlägerplatz“ genannt. Die heutige Kirche wurde nach Entwürfen des Kölner Baumeisters Vinzenz Statz (1819 – 1898) in den Jahren 1864 bis 1866 in neugotischem Stil errichtet. Grundsteinlegung war am 1. August 1864. Bereits am 29. August 1865 war der Kirchbau so weit vollendet, dass das Turmkreuz aufgesetzt werden konnte. am 7. Juni 1866 wurde die Kirche durch den Kölner Weihbischof Antonius Friedrich Baudri geweiht. Die alte Kirche wurde zum Abbruch verkauft, nachdem die Glocken, der Taufstein und einige Ausstattungsstücke in die neue Kirche übernommen worden waren. Andere Ausstattungsgegenstände gelangten in Privatbesitz. Die neue Kirche erhielt neugotische Altäre und Figuren. 1872 bis 1874 schuf der Orgelbauer Schorn aus Kuchenheim die im Kern heute noch vorhandene Orgel. 1876 nahm der Kirchenmaler Gustav Fischer aus Quadrath die Ausmalung der Kirche vor. 1898 erhielt die Kirche einen neuen Fußbodenbelag, 1901/02 neue Fenster, die leider nicht mehr erhalten sind. Das Fenster in der Mitte des Chorraumes zeigte in dem Medaillon im Spitzbogen die Heiligste Dreifaltigkeit, die übrigen Fenster in den Medaillons die 12 Apostel. Die Fenster im Kirchenschiff hatten im unteren Teil eine bunte Ornamentverglasung, die Fenster im Chorraum zeigten die Geburt, die Kreuzigung und die Auferstehung Jesu. Einige wenige Apostelmedaillons sind erhalten und in der Sakristei aufgehängt. Reste der Fenster des Kirchenschiffs sind bei der Verglasung des 2. Turmgeschosses verwendet worden. 1905 wurden vier neue Glocken gegossen, von denen aber drei bereits im 1. Weltkrieg wieder eingeschmolzen wurden. Die letzte Glocke von 1905 wurde beim Guss der neuen Glocken 1959 eingeschmolzen. 1936 wurden die künstlerisch nicht sehr wertvollen neugotischen Altaraufbauten der Seitenaltäre entfernt und die heute vorhandenen barocken Seitenaltäre und Heiligenfiguren erworben, von denen einige aus der früheren Kirche stammen (Apollonia-Altar, St. Martin, Hl. Rochus) Die Erneuerung der durch Kriegseinwirkung beschädigten Fenster des Chorraumes erfolgte 1954. In den 50er Jahren wurde auch der neugotische Hochaltaraufbau entfernt. Auf den Altartisch aus Sandstein kam 1958 der von Ernst Rasche geschaffene silberne Tabernakel. 1959 erfolgte die Instandsetzung des Kirchturms und die Anschaffung von sechs neuen Glocken. 1968/69 war eine durchgreifende Renovierung der Kirche erforderlich (verantwortlicher Architekt Dr. Fritz Steinmann, Bad Münstereifel). Der gesamte Innenputz, der Fußboden und die im 2. Weltkrieg beschädigten Fenster des Kirchenschiffes mussten erneuert werden; ferner wurde der bisher nur provisorisch den Erfordernissen der Liturgieform angepasste Chorraum entsprechend umgestaltet. Den neuen Zelebrationsaltar weihte Weihbischof Dr. Agustinus Frotz am 30. März 1969. Mit einer Neuausmalung der Kirche, der Restaurierung aller Altäre und Figuren durch Restaurator Gangolf Minn und der Erweiterung und Renovierung der historischen Schornorgel durch den Orgelbauer Josef Weimbs aus Hellenthal fand die Kirchenrenovierung ihren Abschluss. 1979 wurden die drei von Olaf Höhnen entworfenen neuen Bronzeportale eingebaut. Bereits 1988/90 musste wieder eine umfangreiche Instandsetzungsmaßnahme durchgeführt werden, die die Pfarrgemeinde erneut zwang, die Kirche für zwei Jahre zu verlassen und die Gottesdienste in einer Notkirche im Pfarrjugendheim zu feiern. Wegen Einsturzgefahr musste die Gewölbedecke im Chorraum und im Kirchenschiff komplett erneuert werden. Anschließend erfolgten eine Neuausmalung der Kirche und eine erneute Umgestaltung des Chorraumes. Der im Vergleich zum Kirchenschiff mit den barocken Seitenaltären und Figuren sehr nüchterne und kühle Chorraum mit dem zu wuchtigen Zelebrationsaltar und einer eher zu kleinen, seitlich im Hintergrund angebrachten Tabernakelstele wurde durch die Aufstellung des ebenfalls barocken Tabernakelaltares in der Mitte des Chorraumes, die Verkleinerung des Zelebrationsaltares und die Aufhängung der Kreuzigungsgruppe im Chorbogen wieder zum Höhepunkt des seither auch aufgrund der Neuausmalung harmonischer, wärmer und festlicher wirkenden Kirchenraumes. Der neu gestaltete Altar wurde am 16. Dezember 1990 durch Weihbischof Dr. Josef Plöger geweiht. Verantwortlich für die Kirchenrenovierung waren Architekt Karl-Josef Ernst aus Zülpich und Restaurator Gangolf Minn aus Brühl.

 

Führung durch die Kirche

Der Außenbau aus Backsteinziegeln zeigt sich gegenüber der Erbauungszeit weitgehend unverändert. Wegen der Lage am westlichen Rand des Dorfes konnte die Kirche nicht wie sonst üblich „geostet“, d. h. mit dem Chorraum nach Osten gebaut werden. So steht der dreigeschossige, etwa 40 Meter hohe Turm mit dem gotischen Knickhelm dem Dorf zugewandt im Osten, während sich im Westen das dreischiffige Langhaus und der Chorraum anschließen.

Die Bronzeportale wurden 1979 von  Olaf Höhnen geschaffen. Das Hauptportal zeigt in vier sechseckigen Medaillons Szenen aus dem Leben des Pfarrpatrons Martin. Links oben: Der noch ungetaufte römische Soldat Martin schenkt einem Bettler (nach der Legende Christus) die Hälfte seines Mantels. Rechts oben: Taufe des hl. Martin durch Bischof Hilarius von Poitiers. Links unten: Martin vor dem Kaiser in Trier. Rechts unten: Martin stirbt im Jahre 397 im Kreise seiner Mitbrüder. Auf den Seitenportalen ist mit Fackelzug und Martinsfeuer das rheinische Brauchtum zur Verehrung des hl. Martin dargestellt.

Im Tympanon über dem Türsturz des Hauptportals befinden sich Figuren der Gottesmutter mit Kind, der Unbefleckten Empfängnis und der hl. Apollonia.

Die Turmhalle ist als Taufkapelle eingerichtet. Das Taufbecken mit seinem romanischen Sandsteinfuß aus dem 13. Jahrhundert und dem barocken Basaltbecken aus dem 17. Jahrhundert gehört zu den ältesten Ausstattungsstücken unserer Kirche. Vor der Fensternische als Fuß des Opferlichtständers ein Teil der früheren Kommunionbank. An der Wand links von der Fensternische ein altes Maria-Hilf-Bild. 1987 wurde dieses Bild, das sich bis 1968 in der Pfarrkirche befunden hatte, restauriert und in einem neugotischen Holzrahmen aus dem Jahre 1915, der einmal Bestandteil der Sakristei-Einrichtung gewesen war, an der Wand des rechten Seitenschiffs neben dem Eingang angebracht. Seit Anfang 2016 hat es nun seinen neuen Platz in der Turmhalle.

Der Kirchenraum zeigt sich als dreischiffige, neugotische Hallenkirche (d.h. die Seitenschiffe haben die gleiche Höhe wie das Mittelschiff). Die vier Felder des Kreuzgratgewölbes in jedem Schiff werden von sechs schlanken Rundpfeilern aus Basalt getragen, die mit vergoldeten neugotischen Blattkapitellen geschmückt sind. Das einfache Kreuzgratgewölbe erhielt durch die bei der letzten Neugestaltung der Kirche aufgemalten Scheinrippen eine stärkere architektonische Wirkung. Hierzu tragen auch die aufgemalten Fensterlaibungen und die farbige Fassung der Wandpfeiler sowie der Gurt- und Schildbögen (= Quer- und Längsbögen des Gewölbes) bei. Die Neuausmalung erfolgte nach künstlerischer Beratung durch den Restaurator Gangolf Minn aus Brühl, der auch die Renovierung bzw. Gestaltung aller Altäre und Figuren in unserer Kirche ausführte. Der Fußboden aus roten Tonplatten wurde 1969 verlegt, da der bunte Ornamentboden aus Keramikplatten von 1898 Lücken aufwies und nicht vervollständigt werden konnte. Die Fenster im Kirchenschiff und die Rosette über dem Hauptportal wurden 1968/69 nach Entwürfen von Hermann Gottfried angefertigt. Die Fenster im Chorraum wurden 1954 von Wilhelm Buschulte entworfen. Alle Kirchenfenster sind durch Spenden aus der Pfarrei finanziert.

Die heutige Gestalt des Chorraumes ist das Ergebnis der Neugestaltung von 1990/91. Zusätzlich zur Aufstellung des Tabernakelaltares erhielt er einen neuen Fußboden aus Westerwälder Trachyt und wurde durch Einbeziehung der beiden Seitenaltäre in das Fußbodenniveau des Chorraumes vergrößert.

Der Zelebrationsaltar aus Sandstein mit seinen vier Säulen aus weißem Marmor und vergoldeten Blattkapitellen entstand durch die zweimalige Umgestaltung der Mensa (= Altartische) des früheren Hochaltares von Vinzenz Statz.

Der Tabernakelaltar wurde 1990 bis 1995 aus verschiedenen Elementen zu einer harmonischen Einheit zusammengestellt. Die in barocken Formen gestaltete Mensa aus weißem Marmor, der auch in den Säulen der drei anderen Altartische verwendet wurde, wurde 1861 in Frankreich von Meister Simon für das Augustinerinnenkloster in Troyes geschaffen. 1990 schenkten die Schwestern aus Troyes den Altartisch der Pfarrgemeinde Stotzheim, da sie einen Teil ihres Gebäudes mit der Kapelle aufgeben mussten. Der 1957/58 von Ernst Rasche geschaffene silberne Tabernakel mit Kreuzornamenten aus Silber und Email wird zusammen mit dem darüber angebrachten Dreifaltigkeitsbild von barocken Schleierbrettern und Anbetungsengeln wie von einem Altaraufbau umfasst. Die Eichenholztafel mit der Darstellung der Heiligsten Dreifaltigkeit stammt vom Hochaltar der früheren Kirche und ist somit an den ihr gebührenden Platz zurückgekehrt. Das im letzten Viertel des 16. Jahrhunderts von einem unbekannten Maler geschaffene Bild zeigt eine seit dem Mittelalter gebräuchliche Darstellung des dreifaltigen Gottes, bei der Gott Vater – auf einem Stuhl oder Thron sitzend – den toten Sohn in den Armen hält; über beiden schwebt die Heilig-Geist-Taube. Diese Darstellungsform wird wegen ihrer Aussage über die vielfältigen gnadenhaften Beziehungen des Menschen zu den drei göttlichen Personen und der Form der bildnerischen Umsetzung „Gnadenstuhl“ genannt. Die ergänzenden Anbetungsengel wurden nach barocken Vorbildern 1995 von Andreas Demetz aus St. Ulrich im Grödnertal in Südtirol geschnitzt. 

Auch in der Kreuzigungsgruppe im Chorbogen sind zwei früher einmal in unserer Kirche vorhandene Ausstattungsstücke dorthin zurückgekehrt. Die Figuren unter dem Kreuz, die Gottesmutter Maria und der Apostel Johannes, befanden sich an dem in der 50er Jahren entfernten neugotischen Hochaltar unserer Kirche. Das Kruzifix (Münchner Schule, Ende 19. Jahrhundert) wurde aus dem aufgelösten Kloster Maria Hilf übernommen und erinnert an das segensreiche Wirken der Waldbreitbacher Franziskanerinnen in unserer Gemeinde von 1897 bis 1975. Dem zelebrierenden Priester und dem Tabernakel zugewandt, befindet sich auf der Rückseite des Hängekreuzes ein weiterer Christuscorpus (13. Jahrhundert)

Das Wort Gottes wird vom Ambo (Ambo = erhöhter Ort) verkündet.  Unser Bronze-Ambo wurde 1981 von Ernst Rasche aus Mülheim an der Ruhr geschaffen. Er zeigt an der Frontseite die Figur des lehrenden Christus, umgeben von Blütenmotiven. Diese Blütenmotive wollen besagen, dass das hier verkündete Wort „aufblühen und Frucht bringen soll“.

Die sechs großen Bronzeleuchter wurden 1979/80 von  Olav Höhnen geschaffen.

Auf den original erhaltenen, von Vinzenz Statz entworfenen Sandstein-Altartischen der Seitenaltäre befinden sich seit 1936 barocke Altaraufbauten.

Der linke Seitenaltar ist der Gottesmutter Maria geweiht. Der Altaraufbau wurde 1936 von einem Kunstsammler erworben. Er stammt wahrscheinlich aus der St. Georgskirche im früheren Euskirchener Vorort Rüdesheim und kam nach dem Abbruch der dortigen Kirche zunächst nach Billig, wo er bis zum Abbruch der alten Billiger Kirche blieb. Die  Madonnenstatue im Zentrum des Altars wurde 1939/40 von dem Aachener Bildhauer Erich Linden geschaffen und war zunächst nicht farbig gefasst. Aufgrund der 1969 durch den Restaurator Gangolf Minn erfolgten farbigen Fassung passt sich die Figur wesentlich besser dem barocken Altar an.

Der rechte Seitenaltar ist der Märtyrerin Apollonia gewidmet, die früher in Stotzheim sehr verehrt und wegen ihres unter anderem durch Ausbrechen der Zähne erlittenen Martyriums zur Hilfe bei Zahnschmerzen angerufen wurde. Der barocke Altaraufbau stammt von einem Nebenaltar aus der früheren Stotzheimer Kirche. Er kam zusammen mit den Figuren des hl. Martin und des hl. Rochus nach dem Abbruch der alten Kirche in den Besitz einer Stotzheimer Familie, die die sakralen Kunstgegenstände in einer Privatkapelle aufstellte. Als diese Kapelle in den 30er Jahren abgebrochen wurde, stiftete die  Familie den Altaraufbau und die Statuen der Pfarrgemeinde. Von Restaurator Minn werden der Altar und die Figuren, die im 18. Jahrhundert geschnitzt wurden, dem Bildhauer Cörner aus Münstereifel zugeschrieben. Die Apollonia-Büste ist eine Kölner Arbeit aus der Barockzeit.

An der dritten Säule rechts die Figur des Kirchenpatrons, des hl. Bischofs und Bekenners Martin. Wegen seiner Mildtätigkeit wir der hl. Martin häufig im Bischofsgewand dargestellt, wie er einem Bettler eine Gabe reicht.

An der dritten Säule links die Figur des hl. Rochus. Nach der Legende brachte ein Hund dem hl. Rochus, der Pestkranke gepflegt und sich selbst angesteckt hatte, Brot. Daher wird der hl. Rochus mit einem Hund dargestellt, der ein Brot im Maul trägt.

An der Wand links neben dem Marienaltar der hl. Josef. Die Statue wurde in den 60er Jahren für die Kapelle des aufgelösten Klosters Maria Hilf angefertigt und ging nach dessen Auflösung in den Besitz der Pfarre über. Die den übrigen Figuren in der Kirche angepasste farbige Fassung wurde von Gangolf Minn 1992 angefertigt.

An der Säule rechts der Erzengel Michael mit dem Drachen, ebenfalls eine Arbeit aus dem 18. Jahrhundert.  

Auf der linken Seite ein klassizistischer Beichtstuhl von 1820, eine Leihgabe der durch den Braunkohlentagebau untergegangenen Pfarrei Bergheim-Fortuna.

Die 14 Kreuzwegstationen schnitzte der Bildhauer Erich Linden im Jahre 1940.

Die Orgel wurde 1874 von dem Orgelbauer Schorn aus Kuchenheim gebaut. Sie hatte damals 17 Register. 1930 erhielt sie einen Elektromotor zur Winderzeugung. 1969 wurde sie nach der Disposition des Kölner Domorganisten Prof. Josef Zimmermann  durch den Orgelbauer Josef Weimbs aus Hellenthal umgebaut und erweitert. Da das Pedal bis auf 16 Pfeifen nicht ausgebaut war und mit entlehnten Pfeifen aus dem I. Manual arbeitete, wurde es um fünf Register erweiter. Während das I. Manual (Hauptwerk) klanglich unverändert blieb, wurde im II. Manual (Unterwerk) der etwas grundtönige Klang durch neue Register „aufgehellt“. Die Orgel besitzt 21 klingende Register mit insgesamt 1.399 Pfeifen, davon 1.243 aus Zinn und 156 aus Holz. Die Spieltraktur ist mechanisch, die Registertraktur elektrisch. Die Klangabstrahlung wurde durch die 1968 erfolgte Vergrößerung und Tieferlegung der Orgelbühne verbessert. Den neugotischen Orgelprospekt von 1874 ziert seit 1994 eine von Pfarrer Josef Brock geschenkte Madonnenstatue, die einem Original von Daniel Mauch aus dem Jahre 1531 nachgeschnitzt wurde, das sich in Dahlem bei Lüttich befindet.

Die sechs Glocken der Pfarrkirche wurden am 29. September 1959 bei Petit & Gebr. Edelbrock in Gescher in Westfalen gegossen und am Allerheiligentag 1959 geweiht. Für die klangliche Disposition des Geläutes war der Glockensachverständige der Erzdiözese Köln, Musikdirektor Jakob Schaeben aus Euskirchen verantwortlich. Die Namensgebung und der Sinngehalt der Glockeninschriften gehen auf den damaligen Stotzheimer Pfarrer Paul Tillmann zurück. Alle Inschriften sind in lateinischer Sprache auf den Glocken angebracht:

Christkönigsglocke, Schlagton e‘, Durchmesser 125 cm, Gewicht 1.200 kg

Inschrift: Christus, König der Herrlichkeit, zu uns komme dein Reich

Martinsglocke, Schlagton g‘, Durchmesser 104 cm, Gewicht 670 kg

Inschrift: Sankt Martin, vernichte allen Krieg und Hass

Die Martinsglocke trägt zusätzlich die Votivinschrift: Dieses Geläute von sechs Glocken ist beschafft worden von den Opfergaben der Einwohner von Stotzheim zur Erinnerung an den Tag des 2. April 1958, an dem Paul Tillmann 25 Jahre dort Seelsorger war

Elisabethglocke, Schlagton a‘, Durchmesser 92 cm, Gewicht 450 kg

Inschrift: Heilige Elisabeth, erbitte allen Christgläuigen in Deutschland die Einheit im Glauben

Marienglocke, Schlagton h‘, Durchmesser 81 cm, Gewicht 310 kg

Inschrift: Heilige Maria, rufe uns in das himmlische Reich

Hedwigsglocke, Schlagton d‘‘, Durchmesser 67 cm, Gewicht 180 kg

Inschrift: St. Hedwig, gib den Vertriebenen wieder Heimat, unserem gespaltenen Vaterland die Wiedervereinigung

Gertrudglocke, Schlagton e‘‘, Durchmesser 58 cm, Gewicht 120 kg

Inschrift: St. Gertrud, nimm Eltern und Kinder unserer Familien in deinen Schutz

Von den liturgischen Geräten sind bemerkenswert eine gotische Turmmonstranz von Anfang des 15. Jahrhunderts (Silber vergoldet) u. a. mit figürlichen Darstellungen des Kirchenpatrons Martin und der hl. Apollonia, ein Barock-Kelch (1730) mit den Symbolen der vier Evangelisten und ein Rokoko-Kelch (1760) mit silbernen Blütenmotiven auf der Kelchschale. 

 

Text: Kirchenführer der Pfarrei St. Martin Euskirchen-Stotzheim, Hrsg. Kath. Pfarramt St. Martin Stotzheim

Fotos © Werner Jacobs

Kath. Kirchengemeindeverband Euskirchen-Bleibach/Hardt

An der Klostermühle 4
53881 Euskirchen
Telefon: 02251-61621

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